Hattusa war einst die Hauptstadt der Hethiter. Sie liegt ca. 150 km
östlich von Ankara beim Dorf Bogazkale (früher Bogazköy) im
anatolischen Hochland am Nordrand der antiken Landschaft Kappadokien.
Die potentielle natürliche Vegetation stellt an diesem Ort ein winterharter lichter Mischwald (vor allem durch Flaumeichen geprägt), der in hethitischer Zeit wohl auch teilweise noch bestand. In jedem Fall wurde in der Architektur der Hethiter viel Holz als Baumaterial verwendet. Die heutige Vegetation ist durch die Weidenutzung geprägt. Heute gibt es in der Gegend nur noch in einigen abgelegenen Tälern Reste von Weißdorn, Eschen und Eichen, in Gebirgslagen Eichen, Wacholder und Kiefern. Wie Holzkohlen aus den phrygischen Schichten zeigen, wuchsen zu diesem Zeitpunkt im Umfeld vor allem Eichen, Obstbäume und Bäume der Hartholzaue, wie Pappel, Ahorn und Ulmen. Nadelholz ist häufig vertreten.
Die frühesten Besiedlungsspuren im Stadtgebiet von Hattusa stammen aus dem Chalkolithikum im 6. Jahrtausend v. Chr. Eine kontinuierliche Besiedlung setzte gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr., in der entwickelten Frühbronzezeit ein. Die Hattier, anatolische Ureinwohner, gründeten hier eine Siedlung und nannten sie Hattusch.
Im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. entstand am Rand der hattischen Siedlung ein Karum, eine Kolonie von assyrischen Händlern. Mit ihren Eselskarawanen transportierten sie Güter über große Entfernungen, sowohl innerhalb Anatoliens als auch bis nach Mesopotamien. Mit ihnen kam erstmals die Schrift nach Anatolien. Im Verlauf dieser Epoche hat man auf der Höhe von Büyükkale eine Befestigung angelegt, um sich vor Feinden zu schützen. In diesen ersten Jahrhunderten des 2. Jahrtausends v. Chr. gab es in Zentralanatolien häufig Konflikte zwischen den einheimischen hattischen Fürsten und den zugewanderten hethitischen Gruppen, die ihre Macht auszudehnen versuchten.
Die ausgegrabenen Ruinen zeigen, dass die Stadt Hattusch um ca. 1700 v. Chr. in einem großen Brand zugrunde gegangen ist. Für die Zerstörung des Ortes gibt es sogar eine Überlieferung in einem Keilschrifttext, in dem ein König Anitta von Kuschara davon berichtet, dass er den König Pijuschti von Hattusch geschlagen und seine Stadt zerstört hat. Er verfluchte die Stadt auf ewig und richtete sein Handelszentrum in der 160 km südöstlich gelegene Stadt Kanesch/Nescha, die ja als Hauptort der assyrischen Handelskolonien bereits Macht und Ansehen besaß. Die Stadt wurde aber schon wieder ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. besiedelt. Ein hethitischer Fürst namens Labarna baut hier seine Residenz auf und nennt sich danach Hattusili, "Der von Hattusa". Damit beginnt die Geschichte Hattusas als hethitische Hauptstadt und des hethitischen Königshauses, von dem man bisher 27 Großkönige mit Namen kennt.
Im Jahre 1834 besuchte der französische Reisende Charles Texier das zentral-anatolische Hochland und entdeckte die Ruinen der alten Hauptstadt, ohne dass er die vorgefundenen Ruinen richtig zuordnen konnte. Er dokumentierte und skizzierte neben den offensichtlichen Ruinen des Stadtareals auch das nahe gelegene Felsheitigtum Yazilikaya, das durch seine Darstellungen von Gottheiten (sog. Götterprozession) weltberühmt wurde. Nach Texier besuchten in folgenden Jahrzehnten weitere Forschungsreisende das Stadtgebiet, darunter u.a. Franzosen (E. Chantre, der die ersten Photographien machte), der deutsche Architekt Carl Humann, Hamilton, Barth und Humann-Puchstein aufgesucht.
Aber erst Hugo Winckler, der Berliner Assyriologe und Keilschriftforscher, machte sich 1906 zu einer Grabung auf den Weg, der die Hypothese zugrunde lag, dass es sich bei den Ruinen um die alte Hethiterhauptstadt Hattuscha handelte. Zusammen mit dem türkischen Archäologen Theodor Makridi Bey fand er in der ersten Grabungskampagne 1906 den eindeutigen Hinweis, dass es sich bei den Ruinen von Bogazköy um die alte Hauptstadt des hethitischen Reiches handelt. In weiteren Grabungskampagnen in den Jahren 1907 sowie 1911/12 wurden an die zehntausend Tontafelfragmente mit zahlreichen Inschriften geborgen. Nach dem ersten Weltkrieg ruhten die Grabungen noch für mehr als ein Jahrzehnt und wurden erst im Jahre 1931 unter der Leitung von Kurt Bittel wieder aufgenommen.
Winckler sowie auch später Bittel stießen auf die Tontafel -Archive der hethitischen Könige und Verwaltung, die u. a. auch die internationale Korrespondenz enthielt. Nach kurzer Grabungszeit hielt Winckler den in Akkadisch verfassten Friedensvertrag zwischen Ägypten und Hatti in der Hand, der zwischen Hattusili III. und Ramses II. geschlossen worden war. Die deutsche Orientgesellschaft begann mit den Ausgrabungen im Jahre 1906 unter Hugo Winckler und Theodor Makridi Bey.
Bis heute gräbt das Deutsche Archäologische Institut dieses Areal aus und fördert jährlich neue Erkenntnisse und auch Keilschrifttexte zu Tage.
Sie war eine Stadt der Götter und Tempel. Die Oberstadt war ein rein sakral genutztes Areal, wie Ausgrabungen in den letzten Jahren bezeugen können. Die reich dekorierten Stadttore sowie ein bislang ungekanntes Sphinxtor erwiesen sich als Bestandteile einer repräsentativen Prozessionsstraße. In Hattusa wurden bisher keine Wohnviertel oder Werkstattbezirke freigelegt.
An Getreide wurde Einkorn, Emmer, Nacktweizen und Gerste angebaut,
außerdem Erbsen, Linsen, Saatplatterbsen, Linsenwicke und Lein. Auf der
Burg wurden relativ häufig Knochen des Rothirsches gefunden. Vermutlich
gehörte die Jagd zum Freizeitvergnügen des Adels. In der Unterstadt
sind Hirschknochen nur halb so häufig. Aus einem verbrannten Silo der
althethitischen Zeit stammen riesige Getreidevorräte, vor allem von
Gerste, aber auch Einkorn. Die Gerstenkörner waren relativ klein, und
das Getreide schlecht gereinigt. Die Archäologen nehmen an, dass es
sich dabei um Zwangsabgaben handelt, für die nicht das beste Getreide
verwendet wurde.
Weiterführende Links:
Konya
Milet
Ephesos
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